Restaurant im Wohnzimmer - wie geht es weiter?

Wir schreiben den 16. März 2020. Mit dem Einmarsch eines kleinen, heimtückischen, gelegentlich auch tödlichen Dings aus der Gegenwelt, geriet das Gleichgewicht, an Geburtstag, meiner Mutter, einer leidenschaftlichen Gastgeberin, sowie das der gesamten Welt ins Wanken. Auch nach zähen Verhandlungen war dem Ding nicht beizukommen. Corona fand keine Gnade – weder für Monika, noch für ihre Gäste mit all ihren Bedürfnissen nach Genuss und Geselligkeit. Ihr gedeckter Tisch blieb leer. Rumps. Abrupter Halt. Es machte sich, und das meine ich auch so, eine betäubende Stille in dieser ansonsten von Kindern, Enkelkindern, Gästen und Freunden belebten Wohnung breit.

Ich selber befand mich zu diesem Zeitpunkt mit meinen fünf engsten und ältesten Freunden im warmen Südfrankreichs und schickte Monika, danke Online-Handel, ein Buch von Franz Keller (Ab in die Küche!: Wie wir die Kontrolle über unsere Ernährung zurückgewinnen) zu ihrem Geburtstag.

Cannes gehörte uns. Es war … beschaulich. Strand, Sonne und Leere. Kein Trubel, keine Gastronomie, kaum Menschen. Wir entdeckten jedoch zwei erwähnenswerte Gastronomen. Ein Barista, gekleidet in einem Ganzkörper- Schutzanzug der Coffee-to-go zubereitete und ein paar Meter weiter, eine Patisserie, die Kuchen und Petit Fours verkaufte, als wäre nichts Ungewöhnliches im Gange. Zwei mutige Inseln der Gastronomie in einem Frankreich des Lockdowns. Wir sind mit dem letzten regulären Flieger nach Berlin wieder gen Heimat geflogen. Kurzzeitig hatte ich den Traum, von Cannes nach Hamburg zu wandern. Es gab eh nichts zu tun. Ich bin kein Arzt oder Pfleger – dachte ich.

Wieder in Hamburg angekommen, bin ich mit meiner Frau und meiner Tochter gleich zu Monika gefahren. Brav nach den noch neuen, sich völlig befremdlich anfühlenden social distancing-Regeln, haben wir uns mit großem Abstand am Fuße von Monikas Terrasse eingefunden, während sie sich oben, mit rund vier Metern Entfernung, zu uns befand. Es wirkte etwa so, als würde man einem Verwandten im Gefängnis aus der Ferne zuwinken. Monika hatte die weggesperrten Tage zuvor mit Lesen und Kochen zugebracht.

Voller Leidenschaft berichtete sie uns von den Unmengen Fleisch und Gemüse, die sie als Brühe à la Franz Keller eingemacht hatte und präsentierte uns strahlend die Ergebnisse – sechs große, wenn nicht gar riesige Einmach-Gefässe.

Dieser Moment müsste festgehalten werden. Wir hatten schon rund 30 Youtube Filme gemeinsam gedreht. Wir hatten uns alles selbst beigebracht, die Qualität war …naja, aber wir wussten, wie man vorgehen muss.

Geboren war die “Terrassenküche”. Wir sind keine Ärzte oder Pfleger, aber wir konnten unseren Beitrag leisten. Jeden Tag ein coronafreies Gericht mit einer Prise Ablenkung und Humor. Am Anfang der Pandemie haben wir einen Film pro Tag produziert. Monika kochte und stellte ein Buch vor. Ich filmte, schnitt und brachte das Ergebnis ins Netz. Lange konnten wir dieses Tempo nicht aufrechterhalten. Mit der Zeit haben wir unseren Rhythmus verlangsamt. Ein Film pro Tag entspricht für den Kameramann, sprich mich, ungefähr zwei Tage Arbeit. Das Tempo ließ sich nicht auf ewig halten. Inzwischen haben wir 182 Folgen abgedreht. Was wir dabei alles erlebt haben und wer zu Besuch war, ist einen weiterer Artikel im Newsletter wert.

Wir werden weiterhin für euch auf Youtube kochen. Allerdings nicht mehr als Terrassenküche, sondern wieder aus der gewohnten Küche und dort heißt es wieder, “Hallo ihr Lieben…”. Schaut mal wieder vorbei bei unserem YouTube Kanal Monika Fuchs kocht.

Und das Restaurant im Wohnzimmer?

Es wird in den Herzen der Gäste weiterleben, welche über die Jahre ein Teil dieses besonderen Erlebnisses waren. Monika hat jeden einzelnen Abend mit Herz und Leidenschaft gestaltet. Leider sind wir immer noch nicht durch mit der Pandemie und deshalb gehört es zu unseren Erinnerungen und Wünschen, dass Monika mit Freude so viele Menschen an einen Tisch bringt.

Das Restaurant im Wohnzimmer ist für meine Mutter die Erfüllung eines sehnlichen Lebenstraums. “Fünf Gänge für Fremde” wie Die Welt schrieb. Monika hat auf jede Reservierung persönlich geantwortet.

Ich werde jetzt auf die Hunderte von Anfragen pro Woche in den vielen Monaten seit Anfang der Pandemie in den nächsten Tagen eine “pauschale” Absage schreiben. Es tut weh. Das Restaurant im Wohnzimmer wird in der bekannten Form nicht mehr stattfinden.

Wir werden Euch in diesem Newsletter weiterhin auf dem Laufenden halten. Wir arbeiten weiter an neuen Ideen. Ein Ende ist kein Ende – es ist, was wir daraus machen.

Martin aka M2
Martin aka M2
Ehemann, Vater, Segler, Gastgeber, Creator
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